Sonntag, 10. April 2016

[Rezension] Das Ende des Alphabets von C. S. Richardson

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: Atlantik
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3455600100

Inhalt:
 
Als Ambrose Zephyr erfährt, dass er nur noch so viele Tage zu leben hat wie das Alphabet Buchstaben, packt er seinen alten Lederkoffer und macht sich mit seiner Frau auf den Weg zu den Orten ihrer Liebe: Sie beginnen bei A wie Amsterdam, dann Berlin, Chartre ... Doch kann die Sehnsucht und der Schmerz einem Alphabet gehorchen?


Der erste Satz:

           Dies ist eine unwahrscheinliche Geschichte.


Das sagt Lucy:

Paris spielt eine sehr große Rolle in diesem Roman, also beschloss ich die 144 Seiten mit in mein Handgepäck für meinen persönlichen Paris-Urlaub zu nehmen. Ich las den größten Teil des Buches auf der Rückfahrt und habe dies nicht bereut, denn so konnte ich nicht nur meine eigene Reise Revue passieren lassen, sondern konnte mich von der Nostalgie, der Sehnsucht und der Symbolträchtigkeit, die dieses Buch ausmachen, miziehen lassen. Das Leseerlebnis glich dabei einem Kurztrip durch Städte, Kulturen, Kunst und das Leben des Ehepaars Abrose Zephyr und Zappora Ashkenazi, das man in tagebuchartig geschriebenen Rückblenden zusammenpuzzeln kann.

Der Schreibstil war es tatsächlich auch, in den ich mich als Erstes verliebt habe. Er hatte etwas Leichtes und Kurzweiliges, dennoch Poetisches, das mich die Seiten wie im Flug, schmunzelnd und sehnsüchtig nach mehr umschlagen ließ. Und als die letzte Seite umgeblättert war, stellte ich fest, dass ich durch einige kurze Szenen und knappe, simpel gehaltenen Dialoge ein Pärchen kennengelernt habe, dem ich auf der Straße wohl bei ihrem Spaziergang nachgesehen hätte. Nur zu gerne hätte ich noch mehr Insider der beiden zu lesen gehabt. 

Plusminus 30 Tage bleiben Ambrose Zephyr noch zu leben. Er hat eine tödliche Krankheit. Rätselhaft, aber nicht ansteckend. Diese Aussage schockt ihn und reißt ihn und seine Frau in ein Loch. Wie weitermachen? Wie Abschied nehmen? Ambrose hatte schon immer einen Faible für Buchstaben und in einer Nacht, als er schweißgebadet aufwacht, erstellt er eine Liste aus 26 Städtenamen. A wie Amsterdam, B wie Berlin, C wie Chartres, E wie der Eiffelturm von Paris, und so weiter. Für jeden Buchstaben des Alphabets findet er eine Stadt, die er liebt, die ihn mit seiner Frau verbindet, die ihn oder sie beeinflusst hat und die er vor seinem Tod unbedingt noch einmal bereisen muss. Jeden Tag, den er noch auf der Welt ist, möchte er voll auskosten. Zusammen mit seiner Frau macht er sich auf den Weg, um diese letzte Reise anzutreten. Schnell jedoch wird klar, dass sie das Ende seiner Liste nicht mehr erreichen werden können.

Auf wenigen Seiten beschreibt C. S. Richardson die letzten Tage eines 50jährigen Mannes, der verzweifelt noch so viel wie möglich leben will, und seiner Frau, die krampfhaft versucht, so viele Andenken und Erinnerungen wie möglich zu sammeln und festzuhalten - und die dann realisieren lernen, dass das Leben eine unwahrscheinliche Geschichte ist.

Fazit: 

Für 144 Seiten voller Insider und Eigenartigkeiten, Zufälle und Sinnhaftigkeit; für ganz viel Liebe zueinander und zum Leben; für A und Z und Z und A; für knappe Dialoge und kurzgefasste, tagebuchartige Szenen; für Spaziergänge an der Seine, den Moment im barbarischen Berlin; für das ein oder andere Gemälde; für Zuhause und für Zipper. Für eine unwahrscheinliche und unwahrscheinlich gut geschriebene Geschichte vergebe ich 6 Wombats und eine Leseempfehlung.


 

Freitag, 29. Januar 2016

[Rezension] Zwei Worte vor und eins zurück von Rainbow Rowell

http://www.amazon.de/Zwei-Worte-vor-eins-zur%C3%BCck/dp/3863960742#reader_3863960742
  • *Leseprobe*
  • Taschenbuch: 430 Seiten
  • Verlag: Egmont INK
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3863960742
  • Originaltitel: Landline

Inhalt:

Georgie weiß, dass ihre Ehe nicht mehr gut läuft. Und sie weiß auch, dass es nicht besser wird, wenn sie Weihnachten getrennt von Neal und ihren beiden Töchtern verbringt. Aber das Jobangebot, das sie erhalten hat, kann sie unmöglich ablehnen.
 
Was folgt, ist die verrückteste, absurdeste, unvorstellbarste Woche in Georgies Leben – eine Woche, die sie alles hinterfragen lässt, was sie über Neal, ihr gemeinsames Leben und ihre Liebe zu wissen glaubte.


Der erste Satz:

         Beim Einbiegen in die Auffahrt machte Georgie einen kleinen Schlenker, um einen Fahrrad auszuweichen.








Das sagt Lucy:

Seit Fangirl bin ich ein Fan von Rainbow Rowell. Ich bin fasziniert von der Art, wie sie es schafft, mich immer und immer wieder an ihre Charaktere zu binden und mich süchtig zu machen nach den Geschichten hinter den Personen. Seien es nun Cath und Levi oder Eleanor und Park.
 
Auch mit Georgie und Neal habe ich von Anfang bis Ende mitgefühlt. Ich habe jedes Wort aufgesaugt und wollte immer mehr über die beiden – ihr Kennenlernen, ihre Beziehung, ihre Ehe, ihre Probleme – erfahren. Beim Lesen kam es mir vor, als säße ich neben Georgie und sie würde mir diese irrsinnige Geschichte erzählen, während wir beide auf dem Bett in ihrem alten Kinderzimmer im Haus ihrer Mutter sitzen, Gummibärchen futtern, lachen und weinen. Rainbow Rowells Schreibstil ist flüssig und voller Empathie und Authentizität, geschrieben in der 3. Person. Da der gesamte Roman aus Georgies Sicht geschrieben ist, ist er wie sie quirlig und verpeilt, manchmal etwas karrierebesessen und ich-bezogen, meistens jedoch liebevoll und in jedem Fall witzig.
 
Denn Georgie wird dafür bezahlt, witzig zu sein. Mit ihrem besten Freund Seth arbeitet sie seit der Studienzeit an ihrem Baby, einer eigenen Comedy-Fernsehserie. Als sie kurz vor Weihnachten die Chance auf einen Durchbruch bekommen, steht Georgie zwischen den Stühlen: Soll sie sich so richtig reinhängen und über die Feiertage arbeiten oder soll sie lieber den geplanten Kurzurlaub mit Mann und Kindern zu den Großeltern antreten? Neals Vorschlag, er könnte mit den Kindern alleine fliegen, während sie arbeitet, erscheint ihr zuerst wie ein Segen. Doch nach und nach packt sie das schlechte Gewissen. Ist sie zu egoistisch gewesen? Ist Neal überhaupt glücklich in dieser Ehe, in der sie kaum noch Zeit für ihn hat? Hinzu kommt, dass sie Neal auf dem Handy einfach nicht erreichen kann und ihre Mutter ihr panisch einzureden versucht, ihr Mann wolle sich von ihr trennen.
 
Angesteckt von den Hirngespinsten ihrer Mutter zieht Georgie vorerst in ihr altes Kinderzimmer. Allein sein möchte sie in diesem Moment nun wirklich nicht. Von ihrem alten analogen, quietschgelben Telefon schafft sie es, eine Verbindung zu Neal herzustellen. Das Problem? Am Apparat hat sie nicht ihren Ehemann, sondern den Neal aus der Vergangenheit – Neal, bevor er Georgie einen Antrag machte. Was folgt ist tatsächlich die "verrückteste, absurdeste, unvorstellbarste Woche in Georgies Leben – eine Woche, die sie alles hinterfragen lässt, was sie über Neal, ihr gemeinsames Leben und ihre Liebe zu wissen glaubte."
 
Sie hat die Chance alte Probleme noch einmal auszugraben und nach Lösungen zu suchen. Und vor allem kann sie Neal endlich einmal fragen, was damals eigentlich seine Wünsche und Vorstellungen waren von einer gemeinsamen Zukunft mit ihr. Vielleicht schafft sie es ja so, ihre Beziehung oder zumindest Neal zu retten.
 
Eine herzerwärmende, saukomische Geschichte, die ich nicht nur Rainbow-Rowell-Fans empfehlen kann, sondern auch jedem, der auf Liebesgeschichten steht, die hinterfragt werden und wegführen von Romankitsch und Klischees.

Fazit:

Für ein super-schönes Cover, einen tollen Titel und einen authentischen, quirligen Schreibstil; für eine witzige Protagonistin und Nebencharaktere zum Knuddeln; für eine Liebesgeschichte, die aus mehr besteht als Klischees und Romankitsch; für die richtige Portion Verrücktheit, um noch als real durchzugehen. Hierfür vergebe ich 5 von 6 Wombats.




Meine Rezension zu Fangirl: klick
Meine Rezension zu Eleanor & Park: klick

Donnerstag, 30. Juli 2015

[books meets movie] Margos Spuren

Infos zum Film:
Mit: Nat Wolff, Cara Delevingne
Regie: Jake Schreier
Start: 30. Juli 2015
Laufzeit: 1 St. 49 Min.

Inhalt:
Solange Quentin denken kann, ist Margo für ihn das begehrenswerteste Mädchen überhaupt. Und dann steht sie eines Nachts doch tatsächlich vor seinem Fenster und bittet ihn um Hilfe: Er soll sie auf ihrem Rachefeldzug begleiten und Freunden, die sie enttäuscht haben, einen Denkzettel verpassen. Quentin macht mit. Für eine Nacht wirft er alle Ängste über Bord. Doch am nächsten Morgen ist Margo verschwunden. Quentin sucht sie verzweifelt und findet Spuren, die ganz bewusst gestreut wurden. Um Margo zu finden, taucht er ein in ihr Universum und folgt ihr quer durch die USA. Es ist eine Reise zu einer Frau, die viel mehr ist, als er sich je erträumt hat, und zugleich ganz anders, als er je hat wahrhaben wollen.
 
 
Das sagt Lucy:

Ich hatte keine Bedenken, dass Margos Spuren eine gute Buchverfilmung werden würde. Von Anfang an habe ich über den tumblr- und Facebook-Account des Autors nur Positives über das Casting und die Dreharbeiten vernommen. Und nachdem mich die Verfilmung zu Das Schicksal ist ein mieser Verräter schon ganz und gar überzeugen und begeistern konnte, gab es bis zum Filmstart von Margos Spuren in meinem Kopf nur Vorfreude und keinerlei Skepsis.
 
Und ich wurde nicht enttäuscht.
 
Schon alleine Nat Wolff als Quentin ist großartig, sodass ich ihm jede Szene abgenommen habe und bis zum Ende emotional mit ihm verbunden war. Auch Cara Delevingne schafft es, Margo Roth Spiegelmans nicht immer ganz so sympathische Persönlichkeit perfekt darzustellen. Sie hat es sogar geschafft, dass ich sie etwas besser verstehen konnte; leiden jedoch konnte ich sie als Filmfigur ebenso wenig wie als Buchfigur. 
 
Gleichermaßen konnten die Schauspieler der Nebencharaktere, insbesondere Austin Abrams als Ben und Justice Smith als Radar, bei mir punkten. Vor allem bei gemeinsamen Auftritten trafen die Jungs, die auch vom Alter her gut in ihre Rollen und bei denen die Chemie untereinander passte, mit ihrer Performance ins Schwarze. Dies sorgte nicht nur für einige Lacher (ich sag nur spoiler-frei  Pokémon-Intro-Song!) und Momente, in denen man sich an seine eigene Schulzeit und seine eigenen Schulfreunde zurück erinnerte, sondern man überschritt auch die Ebene des reinen Zuschauens und wurde zum Mitglied der Gruppe. Es fiel einem leicht, sich in die Köpfe des Dreiergespanns Quentin, Ben, Radar hineinzuversetzen und ihre Handlungen nachzuvollziehen.  

Einzig Halston Sage als Lacey hat mich enttäuscht. Sie sah zwar super aus, aber leider war sie für mich nicht richtig greifbar und brachte die Emotionen und die Mehrdimensionalität dieses Charakters nicht richtig rüber. Sie war das perfekte High-School-It-Girl, nur leider ist Lacey eben mehr als das, was hinter all der doch etwas unter ging. Dabei hatte ich mich so sehr auf die Badewannen-Szene gefreut, die im Buch mit zu meinen liebsten gehört hat. 
 
Dafür ist nicht nur der Soundtrack ein Genuss, sondern auch die Dialoge und die Atmosphäre ganz im Stile von John Green. Ihr wisst ja, wenn ich einen Roman von John Green lese - und das schafft wirklich keiner besser als er -, dann bin ich binnen kürzester Zeit in einem Raum zwischen Erwachsenwerden und Erwachsensein, zwischen Realität und Poesie, zwischen Nachdenken und Aussprechen, zwischen Fühlen, Zögern und Handeln. John Green ist wie ein Megaphon, das all das in wunderschön tiefgründige und poetische Worte fasst und in die Welt hinausschreit, das man als Teenager gerne genau so hätte sagen können wollen. Deshalb bin ich froh, dass nach Das Schicksal ist ein mieser Verräter auch bei dieser Buchverfilmung darauf geachtet wurde, John Greens Ton zu treffen und die Atmosphäre zu schaffen, die man auch beim Lesen hat.
 
Bis zum Schluss ist dies ebenso gelungen wie der Handlung treu zu bleiben, auch wenn die Endszene für mich nicht zu hundert Prozent zur Aussage des Buchendes gepasst und eher an die verrückte Tanzszene aus The perks of being a wallflower erinnert hat. Letztlich ist das aber Jammern auf hohem Niveau, denn ich hab den Film bis nach dem Abspann wirklich sehr, sehr genossen. Und kann nur allen, die das Buch mögen, empfehlen, sich diesen Film anzusehen. 

Fazit:

Für eine Buchverfilmung, die den Ton des Autors trifft; für grandiose Schauspieler, die mich bis auf eine Ausnahme allesamt vom Hocker gerissen haben; für eine tolle Darstellung der Beziehungen, die die Charaktere untereinander führen; für super-witzige Szenen, das Pokémon-Intro und einen tollen Soundtrack; für Nachdenk-Momente und ein Ende, das einen trotz kleiner Veränderung zum Buchende lächelnd zurücklässt; dafür vergebe ich 5 von 6 Wombats!

 
 


Voller Vorfreude habe ich übrigens eine Morphapp entdeckt, die super-witzig ist. Man kann ein Foto von sich hochladen und damit das Filmplakat zu "Margos Spuren" bearbeiten. Wollt ihr also auch einmal Margo oder Q sein (oder sehen, wie ihr neben einem der beiden Schauspieler ausseht) - dann klickt einfach hier und los!

Ich konnte natürlich auch nicht wiederstehen und möchte meine Versuche als Margo gerne mit euch teilen:

 


Liebe Grüße und zeigt mir doch gern, wie ihr euch als Margo oder als Q so macht! ;-)
Eure Lucy

Samstag, 11. Juli 2015

[Rezension] 30 Tage und ein ganzes Leben von Ashley Ream

Inhalt:

Clementine beschließt zu sterben. In 30 Tagen will die erfolgreiche Malerin, die für ihre Kunst ebenso bekannt ist wie für ihre Scharfzüngigkeit, ihrem Leben ein Ende setzen. Nachdem die Antidepressiva im WC entsorgt worden sind, bleibt ihr noch genau ein Monat, um das eigene Ableben zu organisieren. Schließlich will Clementine kein Chaos hinterlassen: Ein letztes großes Bild malen, sich mit dem Ex aussprechen und ein neues Zuhause für den Kater finden. Ihre letzten Tage will sie genau so verbringen, wie sie es will – und nicht wie andere es von ihr erwarten. Doch dabei stößt Clementine auf ungeahnte Hindernisse – und nach 30 Tagen ist nichts mehr so, wie es vorher war ...


Der erste Satz:

         Ich warf die Teekanne aus dem Fenster.







Das sagt Lucy:


Wenn man den Klappentext so liest, denkt man zunächst: Das wird bestimmt schrecklich traurig, ich halte lieber einmal Taschentücher bereit! Aber wenn man dann die ersten Kapitel gelesen und diese wunderbare, super-witzige Protagonistin und ihren Kater kennen gelernt hat, dann merkt man, dass man die Taschentücher höchstens braucht, um sich Lachtränen aus den Augen zu wischen. Denn Ashley Ream geht so ganz anders mit dem ernsten Thema "einen Selbstmord planen, weil man anders keinen Ausweg aus der Depression sieht" um, als man es von anderen Autoren so kennt. Dennoch wird Clementines Krankheit meiner Meinung nach ernst und authentisch geschildert. 

Da der Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, hat sich auch der Schreibstil Clementines Persönlichkeit, ihrem Humor und ihren Gedankengängen angepasst. Dabei ist zu bemerken, dass Clementine definitiv kein einfacher Charakter ist. Sie ist nicht nur von Beruf Künstlerin, sondern sie ist es rund um die Uhr. Sie hat ihren ganz eigenen Kopf mit ihrer eigenen Welt und möchte ihr da jemand reinreden, kann sie ganz schön zickig und kindisch-anstrengend werden. Bei ihr schwanken die Stimmungen am Tag zwischen kreativ, ich komm nicht aus dem Bett, zu Tode betrübt und himmelhochjauchzend a la "Ich bestell all meine Lieblingsgerichte auf der Karte meines Lieblingsrestaurants". 

Es hat mir großen Spaß gemacht, Clementine nach und nach besser kennen zu lernen und zu verstehen, wie sie zu dem Punkt kommen konnte, an dem sie sich zu Beginn des Romans befindet. Ich mochte ihre To-Do-Liste, die sie abhaken wollte, bis zu ihrem Tod. Etwas schade fand ich jedoch, dass die erhoffte (und vom Klappentext versprochene) Entwicklung so gut wie komplett ausblieb. Clementine ist am Ende immer noch die selbe; ich würde nicht sagen, dass sie oder ich als Leser etwas Tiefgründiges oder Lehrreiches von dieser Geschichte mitgenommen hätten. Dabei hatte ich die ganzen 30 Tage, in die sich die Kapitel gliedern, auf einen Wendepunkt in Clementines Leben und ihren Gedanken gehofft. Letztlich war ich enttäuscht, dass er nicht kam und das Ende noch dazu unlogisch und aus dem Nichts kam. Da hätte die Autorin definitiv mehr draus machen können.

Auch die Nebencharaktere blieben leider stark im Hintergrund. Viele interessante Gespräche mit Personen wie beispielsweise ihrer Assistentin, ihrem Exmann und ihrer Konkurrentin werden angefangen, aber nie zu Ende erzählt. Somit ist es ein Ende voller offener Fragen und schwammigen Silhouetten, von denen man als Leser keine Ahnung hat, wie es ihnen geht oder wie sie wirklich zu Clementine stehen.

Insgesamt ein netter Roman für Sommertage im Liegestuhl oder auf der Gartenterrasse, der mich vor allem durch seinen super-witzigen Schreibstil gut unterhalten hat. 


Fazit: 

Für eine witzige und charmante Protagonistin und einen ebenso witzigen und charmanten Schreibstil; dafür, dass die Autorin bei der eigentlich traurigen Geschichte nicht auf die Tränendrüse und zu viel dramatische Szenen gesetzt hat; für ein sehr hübsches Cover; für ein leider nicht-zufriedenstellendes Ende, das weder zum Rest der Geschichte passte noch offene Fragen beantwortete; dafür gibt es von mir 4 Wombats.


Donnerstag, 9. Juli 2015

[Buch des Monats] Juli 2015

Hallo ihr Lieben,

ich habe gerade gemerkt, dass ich diesen Monat noch gar keinen "Buch des Monats"-Post gemacht habe. Dabei wusste ich schon länger, welchen Titel ich für Juli zum "Buch des Monats" ernenne - und zwar ist das Feuer und Flut von Victoria Scott, das immens viel Spannung und Hunger-Games-Feeling verspricht.




  • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
  • Verlag: cbt
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3570162934
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Originaltitel: Fire & Flood 1
Inhalt:

Ein atemberaubendes Wettrennen um Leben und Tod.
 
Die 17-jährige Tella zögert keine Sekunde, als sie eine Einladung zum mysteriösen Brimstone Bleed erhält, einem tödlichen Wettrennen, das sie und andere Teilnehmer durch einen tückischen Dschungel und eine sengend heiße Wüste führt. Als Preis winkt das Heilmittel für ihren todkranken Bruder. Zur Seite steht ihr ein Pandora, ein genetisch verändertes Tier, das sie bei ihrer Aufgabe unterstützen soll. In ihrem Fall ist es ein Fuchs namens Madox, und gemeinsam kämpfen sie sich durch die erste Etappe des mörderischen Rennens. Doch es kann nur einen Sieger geben, und jeder Teilnehmer ist bereit, sein Leben für das eines geliebten Menschen aufs Spiel zu setzen. Tella muss mehr über das Brimstone Bleed erfahren, bevor ihre Zeit abläuft. Doch dann verliebt sie sich in den mysteriösen Guy – und alle freundschaftlichen Gefühle scheinen dahin, als es auf die Zielgerade zugeht …






Habt ihr das Buch schon gelesen? Ich bin gerade dabei und finde es bisher sehr vielversprechend ...

Alles Liebe, eure Lucy

Sonntag, 5. Juli 2015

[Rezension] Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken von Sabaa Tahir

Inhalt:

Wie überlebt man in einer Welt, in der Männer mit silbernen Masken jeden Tag den Tod bringen können? Wie kann man sich selbst treu bleiben, wenn die Herrschenden des Imperiums alles dafür tun, voller Grausamkeit ein ganzes Volk zu unterjochen?

Elias und Laia stehen auf unterschiedlichen Seiten. Und doch sind ihre Wege schicksalhaft miteinander verknüpft. Während Elias in der berühmten Militärakademie von Schwarzkliff dazu ausgebildet wird, als Elite-Krieger die silberne Maske der Macht voller Stolz und ohne Erbarmen zu tragen, muss Laia täglich die Willkür der Herrschenden fürchten. Als ihre Familie ermordet wird und ihrem Bruder die Hinrichtung droht, schließt sie sich dem Widerstand an. Als Sklavin getarnt, dringt sie in das Innerste von Schwarzkliff vor. Dort trifft sie auf Elias, den jungen Krieger, der eigentlich ihr Feind sein müsste ...

Eine mitreißende Geschichte, in der es buchstäblich um Leben und Tod geht






Der erste Satz:

      Mein großer Bruder kehrt heim in den dunklen Stunden vor der Morgendämmerung, in denen sogar die Geister ruhen. 
 

Das sagt Lucy:

Die liebe Izzy hat mir dieses Buch ans Herz gelegt. Und ich muss zugeben, am Anfang war ich skeptisch. Von alleine wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mir Elias & Laia zu kaufen; was vermutlich am Titel und dem Rückseitentext liegt, der doch ziemlich klischeehaft und nach purer höchstdramatischer Liebesromanze klingt. Leider. Denn bereits nach dem Vorwort der Autorin (unbedingt lesen!) wusste ich, dass mich die Aufmachung der deutschen Ausgabe getrügt hatte. Und nach den ersten Kapiteln war klar, dass dieses Buch mich in einen Sog ziehen würde, aus dem ich nicht wieder herauskommen würde. Und dass ich am Ende Band 2 entgegenfiebern würde. 

Ich habe die Geschichte von Elias und Laia verschlungen. Und war positiv überrascht, dass sie sich so ganz anders entwickelte, als man als Leser zunächst vermute - sowohl was die Liebesbeziehungen als auch was die Erlebnisse und Hintergründe der Nebencharaktere angeht.

Laia ist eine Kundige, die nach dem Tod ihrer Eltern zusammen mit ihrem Bruder bei ihren Großeltern lebt. Wenn die Kundigen auch seit vielen, vielen Jahren von den Martialen unterdrückt werden, führen sie ein einigermaßen normales Dorfleben. Bis eines Abends martialische Soldaten, die ihre silbernen Masken niemals abnehmen und die sich deshalb schon längst mit der Gesichtshaut verschmolzen haben, ihr Haus überfallen, ihre Großeltern umbringen und Laias Bruder verschleppen.

Laia kann fliehen und versucht mit Hilfe des Widerstands, dem auch ihre Eltern angehört hatten, ihren Bruder zu befreien. Als Sklavin getarnt nimmt sie eine Stelle in Schwarzkliff an, der Akademie, an der die so genannten Masken ausgebildet werden, und wo der Anführer des Widerstands hofft, über Laia an geheime Informationen zu gelangen. Erst dann - so seine Bedingung - wird er ihr helfen, ihren Bruder zu befreien.

Elias ist eine ebensolche Maske. Doch statt sich auf seinen Abschluss zu freuen, plant er die Fahnenflucht. Schon lange quälen ihn Zweifel an der Herrschaft der Martialen und er möchte daran nicht länger beteiligt sein. Doch der Ausbruch aus Schwarzkliff gestaltet sich als schwerer als gedacht, denn da gibt es sowohl eine Prophezeiung, die ihn innehalten lässt, als auch seine beste Freundin Helena, und diese Kundigen-Sklavin, die seit neuestem als Haushälterin für seine Mutter dient.

Es ist jedoch nicht so, dass die beiden sich auf Seite zwei begegnen und sich sofort unsterblich ineinander verlieben. Es ist eher so, dass die beiden bis zum letzten Drittel des Buches kaum aktiv und gefühlsbetont miteinander zu tun haben. Zum einen Teil empfand ich das als sehr angenehm, zum anderen Teil aber hat die Autorin es doch etwas übertrieben mit der Distanz zwischen den beiden. Erst sehr, sehr spät haben sie wirklichen Kontakt, von Liebe kann zum Ende des ersten Teils noch nicht die Rede sein. Umso mehr hat es mich verwirrt, dass sie zusammen fliehen und zusammen hoffen, während sie eigentlich jeweils eine andere Person für sich warten haben, die ihnen sehr viel bedeutet und zu denen die emotionale Verbindung viel stärker rüberkam beim Lesen. 

ACHTUNG, SPOILER:

Ja, ich muss sagen, ich war schon sehr verwirrt von Elias' Gedanken und Taten Helena gegenüber. Er betont zwar immer wieder, dass sie nur seine beste Freundin ist, aber für mich kamen da weitaus romantischere Gefühle rüber ... und letztlich hätte ich lieber die beiden zusammen gesehen, als ihn mit Laia fliehen. Ein paar Szenen anders formuliert hätten geholfen, dass man als Leser die reine Freundschaft erkennt und akzeptiert. Schön und gut, dass er sich vorstellt, wie sie nackt aussieht, ist noch normal für einen jungen Mann, der bisher lediglich mit männlichen Soldaten zu tun hatte. Aber dass er allzu oft darüber fantasiert, wie es wäre, mit ihr zusammen zu sein und zusammen zu leben und zusammen zu herrschen und sie zu küssen und zu berühren, das führt dann schon zu weit.

Da kam es mir irgendwie nicht richtig vor, dass er und Laia sich stattdessen küssen.

SPOILER-ENDE.

Auch hat mich die Kommandantin oftmals verwirrt zurück gelassen. Doch die insgesamt tollen Persönlichkeiten der Haupt- und Nebencharaktere, die spannende Story und der packende Schreibstil der Autorin machen diese kleinen Kritikpunkte wieder gut. Zudem habe ich Hoffnung, dass Band 2 hierzu noch einige aufklärende Passagen bieten wird. Auch zu der Magie und den magischen, teilweise wirklich gruseligen Wesen würde ich im zweiten Teil gerne noch mehr erfahren.

Insgesamt ein actionreicher Roman, in dem es um mehr geht als die Liebe, und den ich all jenen ans Herz legen kann, die bereits die Dustlands-Reihe von Moira Young in ihren Bann ziehen konnte.

Fazit:

Für eine Geschichte, die mich von Anfang bis Ende fesseln konnte und sich so ganz und gar anders entwickelte, als ich es zunächst vermutete (Schande über die Aufmachung der deutschen Ausgabe. Ganz ehrlich, was soll dieser lahme, irreführende Titel?!). Für zwei starke und interessante Charaktere, an deren Handlungssträngen ich mich neugierig entlanggehangelt habe. Und die mich mit zig Fragen zurückließen und sehnsüchtig auf Band 2 warten lassen. Für zu viel Gefühl und irreführende Anspielungen zwischen besten Freunden und dafür zu wenig Herzklopfen zwischen den Protagonisten. Für eine Frau in hoher Position, die mich permanent verwirrt hat und von der ich hoffe, dass ich ihre Rätsel im zweiten Teil lösen werden kann. 

Dafür gibt es von mir 5 Wombats.


Sonntag, 7. Juni 2015

[Rezension] Eleanor & Park von Rainbow Rowell

  • *Leseprobe*
  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3446247406
  • Originaltitel: Eleanor & Park
Inhalt:

Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. 

Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann.

Der erste Satz:

              Er versuchte nicht mehr, sie zurückzuholen. 



 
Das sagt Lucy:

Bereits nach der Leseprobe war ich dem Buch mit diesem wunderschönen, simplen Cover verfallen. Nicht nur dass Comics und Musik eine sehr große Rolle darin spielen, John Green sagte über dieses Buch, dass es ihn daran erinnert, jung und verliebt zu sein. Und tatsächlich habe ich Parks und Eleanors Gefühle so sehr nachvollziehen und mitfühlen können, dass es manchmal schon weh tat. Rainbow Rowell versteht es, den Leser auf eine ganz und gar leise, unauffällige Art und Weise für sich und ihre Charaktere zu gewinnen. 

Am Anfang liest man die Kapitel, die von der Sicht zwischen Eleanor und Park hin- und herwechseln, noch von außerhalb, doch ziemlich schnell werden aus den beiden jugendlichen Fremden Freunde. Es ist schwer, das Buch dann noch aus der Hand zu legen. Man fiebert mit den beiden mit und hofft für beide, dass es endlich passiert - dass sie seine Hand hält, dass er sie küsst - und dass dann alles gut werden wird. 

Denn sowohl Eleanor als auch Park haben es nicht leicht. Klar, bei Eleanor sind die Probleme schwerwiegender. Sie wird in der Schule wegen ihrer "komischen" äußeren Erscheinung gar zu offensichtlich gemobbt und ihr Zuhause gleicht eher der Hölle, die von ihrem ständig betrunkenem, aggressiven Stiefvater regiert wird, als einem Rückzugsort. Sie teilt sich zusammen mit ihren vier jüngeren Geschwistern ein Zimmer und alles, was sie Wertvolles besitzt, passt in eine kleine Box. Die Comichefte und mit Musik bespielten Kassetten (inklusive Batterien), die sie von Park geliehen oder sogar geschenkt bekommt, sind das einzige, das sie davon ablenken kann, wie dreckig es ihr geht. Nie zuvor hat sich jemand so für sie gesorgt und sich Gedanken um sie gemacht wie Park, was für Eleanor gleichermaßen schön wie schrecklich ist. Denn sie hat nicht nur Angst verletzt zu werden, sondern fürchtet sich auch davor, was passiert, wenn ihr Stiefvater von Park erfährt, oder noch schlimmer, wenn Park herausfindet, dass sie und ihre Familie so gar nicht normal sind. 

Denn in ihren Augen ist Parks Familie wie aus einem Bilderbuch. Nicht nur, dass ihr Haus groß und wunderschön ist und immer genug zu Essen im Haus, seine Eltern lieben ihn und sich - sie küssen sich sogar, wenn Besuch da ist. Da passt sie nicht hinein, findet Eleanor, da macht sie nur alles unschön und kaputt und sie versteht nicht, was Park an ihr findet. Was ihr dabei nicht bewusst ist: Dass Park auch unsicher ist und nicht so richtig weiß, warum Eleanor ihn mag. Dass er sich neben seinem Bruder und seinem Vater unmännlich und in eine Schublade gedrängt vorkommt. Dass er sich mit Eyeliner geschminkt stärker und verwegener fühlt. Dass er sich manchmal für sich selbst schämt. Dass er ebenso wenig Erfahrung in Sachen Liebe und Sex hat wie sie.

Und so sind es nicht nur Eleanor und Park als Paar, die dieses Buch für mich zu einem besonders emotionalem und nachhaltigem Leseerlebnis machten; vielmehr sind es die Szenen, in denen es um sie alleine, ihr Coming-of-Age geht. Denn auch, wenn sie sich gegenseitig beeinflussen und helfen, schlussendlich machen sie beide für sich ihre ganz persönliche, eigene Entwicklung durch. Und die ist so wunderbar authentisch beschrieben und so wunderbar formuliert, dass ich viele Passagen drei- oder viermal gelesen habe. Und weil das alleine nicht ausgereicht hat, habe ich meine Lieblingssätze abfotografiert und an Freunde verschickt, die sie ebenso wertschätzen würden wie ich. Und dann haben wir darüber geredet ... und sind dabei abgeschweift und plötzlich bei uns selbst gelandet.

Ich liebe Bücher, bei denen das passiert. Bücher, wo mir nicht nur die Charaktere und ihre Story ans Herz wachsen, sondern wo Dinge passieren und gesagt werden, die mich indirekt an eigene Erfahrungen und Lebensabschnitte erinnern und mich über alles Mögliche aus meinem Leben nachdenken lassen. John Green, Cecelia Ahern und David Levithan schaffen das immer, Stephen Chbosky ist mit The perks of being a wallflower sowieso mein persönlicher Meister, und auch Rainbow Rowell hat es nach Fangirl mit Eleanor & Park nun schon zum zweiten Mal geschafft. 

John Green sagte auch, dass ihn dieses Buch nicht nur daran erinnert, jung und verliebt in ein Mädchen zu sein, sondern auch jung und verliebt in ein Buch zu sein. Dem kann ich nur zustimmen. Ich bin froh, dieses Buch in meinem Regal stehen zu haben. Und wenn ich es ansehe oder gar erneut aufschlage, dann werde ich damit das Gefühl von erster Verliebtheit und Selbstfindung verbinden und Eleanor und Park werden wie alte Freunde sein.

Fazit:

Für eine Liebesgeschichte, bei der ich so sehr mitgefühlt habe, dass es manchmal richtig weh tat; für Charaktere, die beide eine authentische Wandlung durchmachen; für zwei Coming-of-Age-Stories, die Stoff zum Nachgrübeln und Diskutieren gaben; für viele starke Momente und wunderschöne, ehrliche Formulierungen, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden; dafür vergebe ich 5 Wombats.